Die geschichtliche Entwicklung des Jiu Jitsu
Der Ursprung des Jiu Jitsu ist nicht eindeutig, seine Wurzeln sind
wahrscheinlich in Indien zu suchen. Ausgehend von der indischen
Massagekunst entwickelte sich schon im Altertum eine zweckbestimmte
Kenntnis von schmerzverursachenden Griffen. Vermutlich fand diese
Kenntnis ihren Weg von Indien nach China.
Dort wurden die Techniken von Angehörigen religiöser Kreise
weiterentwickelt. Das Wissen um diese schmerzempfindlichen Punkte wurde
vermutlich um 1600 nach Japan eingeführt.
Der eigentliche Begriff ”Jiu Jitsu” entstand erst im 18. Jahrhundert.
Ursprünglich war Jiu Jitsu unter verschiedenen Bezeichnungen (Yawara,
Aiki [ju] jutsu, Hakuda, Kempo, Kogusoku, Koshi no mawari, Kumi uchi,
Tai jitsu, Torite, Shubaku etc.) ein Ausbildungsbestandteil der
verschiedenen Kampfschulen der japanischen Kriegerklasse (Bushi,
Samurai), neben den in der jeweiligen Schule gelehrten Waffentechniken
und wurde im ”Bushido”, dem sogenannten Ehrenkodex der Samurai
festgelegt. Die Meiji-Periode (1868-1912) führte zum Niedergang der
Samurai. Japan öffnete sich westlichen Einflüssen, vernachlässigte
teilweise altes Brauchtum und schenkte auch den alten Kriegskünsten
lange Zeit keine Beachtung. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde es
wieder als traditionelles Gut in die japanische Kultur einbezogen, wobei
der kriegerische Aspekt durch den sportlichen und geistigen ersetzt
wurde.
Verbreitung des Jiu Jitsu in Deutschland
Der wichtigste Lehrer, der ins Ausland ging, war Katsukuma Higashi.
Erich Rahn, der ”Meister der 1000 Jiu Jitsu Griffe” war Begründer des
Jiu Jitsu in Deutschland. Er lernte hauptsächlich von Higashi. Er
eröffnete 1906 in Berlin die erste Jiu Jitsu Schule Deutschlands.
Bedingt durch die beiden Weltkriege gab es auch bei uns und Höhen und
Tiefen zu überwinden.
1945 verboten die Alliierten durch das Kontrollrat-Gesetz die
Ausübung des Jiu Jitsu. Erst in den 50er Jahren gelang es nach zähen
Verhandlungen das Gesetz wieder aufzuheben. Seither hat sich Jiu Jitsu
wieder stärker in Deutschland etabliert und es entstand eine Vielzahl
von Verbänden, in denen Jiu Jitsu gepflegt und unterrichtet wird. Durch
eine freundschaftliche Beziehung unserer Lehrer zu Großmeister Erich
Rahn, wo sie auch einige Prüfungen mit hervorragenden Leistungen
absolvierten, wurden sie in ihrem Weg bestätigt, einen eigenen Verband
im damaligen Deutschland-West zu gründen, den Deutschen Jiu Jitsu Bund
e.V., der sich auf viele Landesverbände in ganz Deutschland erstreckt.
Heute wird Jiu Jitsu bei verschiedenen Militär- und Polizeieinheiten
in seiner ursprünglichen Bedeutung als militärisches Nahkampfsystem,
bzw. zur Erfüllung von Polizeiaufgaben eingesetzt, oder als zivile
Selbstverteidigungsmethode gelehrt.
Jiu Jitsu ist auch die Quelle vieler neuer Kampfkunst-Formen. So
entwickelte Jigoro Kano Ende des 19. Jahrhunderts das mittlerweile zur
olympischen Disziplin gewordene JUDO vor allem aus den Jiu Jitsu Schulen
Tenshin shinyo ryu und Kito ryu. Morihei Ueshiba schuf sein AIKIDO in
erster Linie aus dem Daito ryu aiki ju jutsu, und schließlich haben auch
etliche Stilrichtungen des KARATE, welches generell allerdings eine
andere Geschichte hat, ihre Wurzeln im Jiu Jitsu. Von den prominenteren
Stilrichtungen ist hier vor allem das Wado ryu karate zu nennen, dessen
Gründer Hironori Otsuka, Meister des Yoshin ryu jiu jitsu kempo war.
Quelle: djjb.de